#02 Jura Soyfer and his time
15. November - 25. November 2003
Vernissage 15. November 19 Uhr mit dem Programm
Verbirg, verbirg den Traum der Nacht
Didi Macher und Ulf Birbaumer lesen Texte von Jura Soyfer.
Jura Soyfer kommt auf der Flucht vor der bolschewistischen
Revolution mit seinen Eltern (Vater war russischer Industrieller)
nach Wien und sieht in diesem Wien der zwanziger Jahre das Entstehen
einer neuen Welt. Er studiert sozialistische Schriften und wird
aktives Mitglied der Gruppe "Achtzehner" des Verbandes
Sozialistischer Mittelschüler. Noch als Schüler schreibt
er für das Parteikabarett (1929 bis 1933). Seine Agitproptexte
werden von den Roten Spielern aufgeführt. 1935 beginnt er
für das ABC Stücke zu schreiben und wird eine Art Hausdichter.
Als Student (Deutsch und Geschichte) schreibt er in der Arbeiter-Zeitung
(gezeichnet mit "Jura" unter "Zwischenrufe links")
und in der illustrierten Wochenzeitung Der Kuckuck satirische
Tages- und Zeitgedichte, und ist Mitglied der Akademischen Legion
(Studierende nennen sich so in Erinnerung an den Republikanischen
Schutzbund von 1848 - StudentInnen und ArbeiterInnen machen gemeinsame
Sache).
Als die Polizei ihn aufgrund einer Verwechslung verhaftet, entdeckt
sie bei einer Hausdurchsuchung belastendes Material. Zu einer
Verhandlung kommt es nicht, Jura Soyfer wird nach drei Monaten
Haft (zuerst Rossauer Kaserne dann Überstellung ins Landesgericht)
im Februar 1938 anlässlich einer "Amnesie für
Politische" freigelassen. Diese Freiheit währt leider
nur 26 Tage, denn als er mit seinem Freund (Hugo Ebner) mit Schi
versucht über die Schweizer Grenze zu gelangen, wird er
am 13. März 1938 festgenommen und zuerst nach Dachau und
im Herbst dann nach Buchenwald überstellt. Dort wird Soyfer
als Leichenträger eingeteilt.
Er stirbt am 16. Februar 1939 an Typhus - kurz nachdem seine
Entlassungspapiere eingetroffen sind.
